Ractliffe, Jo

Biographie

Südafrika, geb. 1961; lebt und arbeitet in Kapstadt, Südafrika

Details

In ihrer mittlerweile vier Jahrzehnte währenden Tätigkeit als Fotografin hat sich Jo Ractliffe dem Medium aus ganz unterschiedlichen Richtungen angenähert. Eine ihrer fotografischen Formen, mit der sie indirekt an David Goldblatts symbolische Darstellungen der südafrikanischen Landschaft anknüpft, besteht aus ruhig komponierten großformatigen Schwarz-Weiß-Bildern mit Ansichten von menschenleeren oder auch überlaufenen, schwer zu fassenden, unbestimmten Orten, die auf seltsame Weise leblos sind und dennoch von unsichtbaren Ereignissen und Kräften heimgesucht werden. Bei anderen Arbeiten verzichtet die Künstlerin zugunsten der Unmittelbarkeit des Schnappschusses von Alltagsszenen und Gebrauchsgegenständen auf aufwendige Inszenierungen. Die zwischen 1990 und 1994 aufgenommene umfassende Serie reShooting Diana enthält Dutzende solcher Momentaufnahmen: Dabei werden in einer sowohl der Logik des Schnappschusses als auch der dokumentarischen Fotografie verpflichteten Bildsprache Puppenköpfe, brennende Kerzen auf Geburtstagstorten, leere Höfe, Straßenschilder oder die Ankunft am Meer miteinander verbunden, als erzählten sie von einer das Leben verändernden Reise. Oft zeigen Ractliffes Bilder Orte, aus denen die Menschen verschwunden sind, bezeichnenderweise aber nicht ihre irdischen Spuren; und deren Anwesenheit erzeugt einen Überschuss an Bedeutung, der sie wie einen Beweis wirken lässt und zugleich über das Sichtbare hinausweist. Ob sie die "ruhigen" Orte eines von einem langen Bürgerkrieg verwüsteten Angolas fotografiert (Terreno Ocupado, 2007) oder in Bildern, die zu den Audioaufzeichnungen der südafrikanischen Wahrheits- und Versöhnungskommission entstanden sind (Vlakplaas, 1999-2000), einem dürren Land Leben einhaucht - immer wieder macht Ractliffe sichtbar, dass die "Wahrheit" der Kamera ebenso zufällig ist wie die Geschichten, die damit erzählt werden. Diese Strategie, die Okwui Enwezor als "fotografisches Gegenstück zum Buchstabenglauben" bezeichnet hat, ist vielleicht in jenen Arbeiten am stärksten spürbar, die sie mit Spielzeugkameras vom Typ Holga oder Diana oder anderen 120-Millimeter-Plastikkameras gemacht hat. Bei diesen billigen Geräten, deren Gehäuse bisweilen Licht einlassen und die Bildausschnitte auf überraschende Weise verschieben können, stellt sich häufig eine Randabschattung ein, bei der die Bildmitte die stärkste Sättigung aufweist und das Bild zum Rand hin dunkler und weicher wird. Dieses Phänomen erinnert an frühere Phasen der Fotografie, bei der die technischen Limitierungen immer auch Hinweise auf eine mögliche Unzuverlässigkeit und Porosität waren.

Werke von Ractliffe, Jo

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