Scrapbook Love Story
Memory and the Vernacular Photo Album

7.9.2018 - 15.12.2018

Photobooth Portraits

Konzeptueller Rahmen

The Walther Collection präsentiert Scrapbook Love Story: Memory and the Vernacular Photo Album, eine Ausstellung einzigartiger Foto- und Sammelalben von den 1890ern bis in die 1970er Jahre.

Von der Erfindung der ersten tragbaren Kodak Kamera im Jahr 1888 bis hin zur weit verbreiteten Nutzung digitaler Plattformen zum Sammeln und Teilen von Bildern, ist das Fotoalbum das wohl bekannteste und beliebteste Format zur Betrachtung von Fotografie sowie zur Archivierung kollektiver Erinnerungen und sozialer Identität. Angesichts der Allgegenwart und der sowohl inhaltlichen als auch visuellen Komplexität vieler Fotoalben ist es erstaunlich, wie wenig Aufmerksamkeit solche Alben bislang erfahren haben und wie selten sie als historische Dokumente oder künstlerische Leistung wahrgenommen und kritisch betrachtet werden. Die von Privatpersonen und Sammlern zusammengestellten Alben dokumentieren Alltagsmomente, Liebesbeziehungen, Kriegserfahrungen, Freundschaften und Szenen häuslicher Intimität.

Die chronologisch aufgebaute Ausstellung untersucht die Entwicklung des Mediums von streng reglementierten und genormten Familienalben bis hin zu kunstvoll gestalteten Fototagebüchern voller spontaner Momentaufnahmen. Die ausgestellten Alben zeichnen sich durch gleichermaßen sorgfältig wie originell arrangierte Kombinationen von Fotografien, handschriftlichen Notizen und gedruckten Ephemera wie Briefen und Postkarten, Werbematerial, Eintrittskarten oder anderen Kleindrucksachen aus.

School For The Blind Print 03
Unbekannter Autor, Ohio School for the Blind Album, 1952-64
School For The Blind Print 02
 
School For The Blind Print 01 Copy
 

Eines der Alben wurde von Absolventen der staatlichen Blindenschule von Ohio während mehrerer Jahrgangstreffen zusammengestellt, während ein anderes die mit sexuellen Anspielungen gespickten Erinnerungen des Soldaten Richard Hicks Bowman aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs enthält, reichhaltig illustriert mit Briefmarken oder anderen Souvenirs. In einem weiteren Album schildert eine Collage von Erinnerungsstücken und gefühlvollen Korrespondenzen die Liebesgeschichte eines Paares von der College-Romanze bis zur gemeinsamen Ehe.

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Richard Hicks Bowman, Military Stamp Scrapbook, 1943-59
Book 01 Spread 04 Copy
Virginia Becker, Scrapbook Love Story Album, 1940-43

Die ausgestellten Bände verweisen auf die zwei wichtigsten Merkmale jedes Fotoalbums: den intensiven Austausch zwischen dem Fotografen und seinen Modellen, die begeistert posieren oder spontane Darbietungen für die Kamera inszenieren, sowie die Kreativität und Leidenschaft des jeweiligen Gestalters eines Albums bei Arrangieren und Collagieren der Bilder und Texte. Die Möglichkeit, persönliche Erlebnisse durch das Sammeln, Arrangieren und Interpretieren privater Schnappschüsse anschaulich nachzuerzählen, markiert eine Innovation im Erzählen von autobiografischer Geschichten und Erinnerungen.

Fun With The Girls Print 03
Unbekannter Autor
Fun with the Girls, ca. 1970
Fun With The Girls Print 02
 
 
Fun With The Girls Print 08
 
 

Ziel der Ausstellung ist es, diese einzigartigen fotografischen Objekte und Erinnerungen, die nicht mehr ausschließlich von persönlicher Bedeutung sind, in einem größeren kulturellen Kontext zu betrachten. Solch private Geschichten sind stets auch ein Ausdruck ihrer Zeit und der jeweiligen sozialen Umstände, sie reflektieren zeitgenössische Sichtweisen von Familie, Geschlecht, Rasse und Nation. Als Vorläufer der digitalen Feeds, die heutzutage auf Social Media Plattformen zu finden sind, zeichnet sich das Medium des Fotoalbums durch den modernistischen Impuls aus, den Alltag zu dokumentieren, zu archivieren und zu interpretieren.

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Sara Hooffstetter, Shaped Photographs Family Album, 1908-16

Scrapbook Love Story ist die dritte Ausstellung im Rahmen von "Imagining Everyday Life: Aspects of Vernacular Photography", einer mehrjährigen Ausstellungsreihe von The Walther Collection, die sich mit der Geschichte der vernakularen Fotografie beschäftigt – mit Bildern, die in erster Linie für kommerzielle oder private Zwecke und weniger im Zusammenhang mit einer ästhetischen Konzeption entstanden sind. "Imagining Everyday Life" untersucht die vielfältigen Gebrauchsweisen sowie die gesellschaftliche und historische Bedeutung dieser nicht-künstlerischen Fotografie. Das dazugehörige Programm umfasst fünf Themenausstellungen sowie ein im Herbst 2018 stattfindendes internationales wissenschaftliches Symposium in New York, und endet 2019 in einer groß angelegten, von Brian Wallis kuratierten Ausstellung in dem sammlungseigenen Museum von The Walther Collection in Neu-Ulm, zu der auch ein umfassender, gemeinsam mit dem Steidl Verlag herausgegebener Katalog erscheinen wird.

Girlfriends 1905 26 I Print
Unbekannter Fotograf, Girlfriends Album, 1905
Girlfriends 1905 27 Ii Print
 
Girlfriends 1905 28 Ii Print
 

Ausgestellte Werke

    Upcoming events

    Scrapbook Love Story: Kuratorenführung

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    Kurator Brian Wallis führt durch die Ausstellung Scrapbook Love Story: Memory and the Vernacular Photo Album.

    22. September 2018, 14:00 - 15:00

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    Imagining Everyday Life: Symposium zu vernakularer Fotografie

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    The Walther Collection, die Columbia University und das Barnard College präsentieren Imagining Everyday Life: Engagements with Vernacular Photography, ein internationales Symposium im Lenfest Center for the Arts der Columbia University, organisiert von Tina Campt, Marianne Hirsch und Brian Wallis.

    19.10.2018 - 20.10.2018, free admission

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