Recent Histories [Amsterdam]
Zeitgenössische afrikanische Fotografie und Videokunst aus The Walther Collection

Huis Marseille. Museum for Photography, Amsterdam
8.12.2018 — 3.3.2019

Walthercollection Petrosdawit Strangersnotebook

Über die Ausstellung

In Anlehnung an die gleichnamige Ausstellung von The Walther Collection, vereint Recent Histories die Perspektiven von fünfzehn zeitgenössischen Künstlern und Künstlerinnen aus Afrika und der afrikanischen Diaspora im Huis Marseille, Amsterdam. Ein Jahr nach der Ausstellung in Neu-Ulm, schafft die Kollaboration zwischen dem Huis Marseille und The Walther Collection mittels einer Neuinterpretation einen Dialog zwischen beiden Sammlungen, deren Fokus unter anderem auf afrikanischer Fotografie liegt.

Recent Histories präsentiert ausgewählte Arbeiten junger, aufstrebender Fotografen und Fotografinnen erstmals in den Niederlanden, etwa von Mimi Cherono Ng'ok, Em'kal Eyongakpa, Délio Jasse, Sabelo Mlangeni, Dawit L. Petros oder Michael Tsegaye. Gleichzeitig zeigt die Ausstellung Werke etablierter Künstler und Künstlerinnen, einschließlich einer Hommage an den legendären südafrikanischen Fotografen David Goldblatt sowie Werke von Pieter Hugo, Santu Mofokeng, Zanele Muholi und Guy Tillim.

Mc 4557 Walthercollection Mimicherono The Other Country 2008
Mimi Cherono Ng'ok, Chebet, "The Other Country", 2008-heute
Mc 4554 Walthercollection Mimicherono The Other Country 2008
Mimi Cherono Ng'ok, Chemu, "The Other Country", 2008-heute

Die ausgestellten Werke stammen sowohl aus den Beständen von The Walther Collection als auch vom Huis Marseille. Sie befassen sich mit Fragen der Identität und Zugehörigkeit, setzen sich mit persönlichen Erfahrungen auseinander und untersuchen ein umfang­reiches Spektrum sozialer Anliegen, wie Migration oder sozio-politische Wertvorstellungen, die noch immer eng mit dem Kolonialismus verknüpft sind. Diese Themen offenbaren sich unterschiedlich in Porträt- und Landschaftsaufnahmen, Darstellungen der Architektur, des öffentlichen Raums und alltäglichen Lebens. Indem Recent Histories die Plattformen und In­frastrukturen beleuchtet, die diese künstlerischen Ansätze verbinden, erlaubt die Ausstellung zudem eine kri­tische Reflexion aktueller Kunstpraktiken und deren Kontexte. So versucht Recent Histories traditionelle Deutungsmodelle, über die afrikanische Künstler und Künstlerinnen dem internationalen Publikum bislang zugänglich gemacht wurden, in Frage zu stellen und alternative Interpretationsweisen von afrikanischer Fotografie und Videokunst zu ermöglichen.

Mt 4129 Walthercollection Tsegaye Michael Futurememories6
Michael Tsegaye, Future Memories #6, "Future Memories", 2009
Mt 4131 Walthercollection Tsegaye Michael Futurememories8
Michael Tsegaye, Future Memories #8, "Future Memories", 2009

Aufgrund aktueller globaler Entwicklungen, die den ökonomischen Neoliberalismus kritisieren und eine Einschränkung der politischen, kulturellen und persönlichen Bewegungsfreiheit propagieren, muss sich auch das Verständnis von afrikanischer Identität neuen, nicht zuletzt geopolitischen Herausforderungen stellen. Recent Histories widmet sich im Kern der Frage, wie sich afrikanische Identität vor allem für die junge Generation von Kunstschaffenden definiert. Dadurch signalisiert die erweiterte Ausstellung einen konzeptuellen Bruch mit vorherrschenden Denkmustern, um die Position afrikanischer Künstler und Künstlerinnen auf dem zeitgenössischen Kunstmarkt generationsübergreifend zu stärken.

Mn Walthercollection Niang Mame Vivencia Metropolis
Mame-Diarra Niang, Vivencia, "Metropolis", 2015
Mn Walthercollection Niang Mame Monument1B Metropolis
Mame-Diarra Niang, Monument Ib, "Metropolis", 2015

Demnach reflektiert Recent Histories die Frage nach einer afrikanische Identität nicht vor dem Hintergrund etablierter Diskurse und beste­hender Interpretationsansätze, sondern allein im Hin­blick auf die ihnen zugrundeliegende künstlerische Praxis. Mit einer Vielzahl künstlerischer Produktionsformen und ihrer Etablierung auf dem zeitgenössischen Kunstmarkt, hat sich die Disziplin und Wahrnehmung von afrikanischer Fotografie und Videokunst während der letzten beiden Jahrzehnte gewandelt. Während sich die Künstler und Künstlerinnen mit sozialen, politischen und zwischenmenschlichen Spannungen auseinandersetzen, nutzen sie das fotografische Bild als investigatives und dokumentarisches Mittel, um die urbanen Strukturen und spezifischen sozialen Milieus innerhalb diverser Lebensräume zu erforschen. Indem ihre Arbeiten Aspekte des sichtbaren und zuweilen unsichtbaren Alltagslebens beleuchten, fordern sie uns zu einer genaueren Betrachtung auf.

Sml 4212 Walthercollection Mlangeni Sabelo Outsidebismilla Bigcity
Sabelo Mlangeni, Outside Bismilla house on President Street, "Big City", 2012
Sml 4172 Walthercollection Mlangeni Sabelo Womanandcity Bigcity
Sabelo Mlangeni, Woman and City, "Big City", 2012

Huis Marseille

Bei seiner Gründung im Jahr 1999 war das Huis Marseille das erste Fotomuseum in Amsterdam. Es ist in zwei historischen Grachtenhäusern aus dem 17. Jahrhundert untergebracht und beherbergt eine Sammlung von über 500 Fotografien, insbesondere zeitgenössische Arbeiten aus den Niederlanden, Südafrika und Japan. Im September 2013 wurde das Museum um das Nachbargebäude erweitert. In insgesamt vierzehn einzigartigen Ausstellungsräumen, teilweise im Original belassen, bietet das Museum in vierteljährlich wechselnden Ausstellungen ein umfassendes Programm.

Standort & Öffnungszeiten

Huis Marseille. Museum for Photography
Keizersgracht 401
1016 EK Amsterdam
Niederlande
+31 (0)20 531 89 89

www.huismarseille.nl

Dienstag bis Sonntag, 11-18 Uhr

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