Structures of Identity
Photography from The Walther Collection

14.11.2018 — 17.2.2019

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J. D. ‘Okhai Ojeikere, Untitled [Hairstyles], 1970–79

Über die Ausstellung

Structures of Identity untersucht, wie Fotografen verschiedener Kulturkreise und über unterschiedliche historische Epochen hinweg in ihren Aufnahmen gesellschaftliche Stereotype, die auf Vorstellungen von Rasse, Geschlecht, Klasse und Nationalität basieren, bestärken oder kritisieren. Die Ausstellung zeigt Serien und Sequenzen von Künstlern aus Europa, den USA, Lateinamerika und verschiedenen Ländern Afrikas sowie dokumentarische und vernakulare Fotografie. All diese künstlerischen Ansätze reflektieren, wie visuelle Formen, materielle Kultur und Archivstrukturen soziale Einstellungen konstruieren und prägen.

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Unidentified photographers, [Daguerreotypist's Display], ca. 1850

Seit der Erfindung der Fotografie im Jahr 1839 diente das Porträt in wissenschaftlichen Studien sowie privaten und kommerziellen Bildarchiven dazu, den durch die industrielle Revolution verursachten gesellschaftlichen Wandel zu dokumentieren und soziale Hierarchien neu zu definieren. Frühe fotografische Medien wie die Daguerreotypie, Ferrotypie oder cartes de visite zeichneten sich häufig durch stark konventionalisierte Darstellungen verschiedener Personengruppen auf und nutzten die Formate der Typologie, Taxonomie und Serialität, um die komplexen Sozialstrukturen moderner Industriestaaten zu analysieren und zu katalogisieren.

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Unidentified photographers, [Workers Displaying Tools of Their Trades], ca. 1865–90

In seinem Meisterwerk Antlitz der Zeit (1929) bemühte sich August Sander um eine wirklichkeitsgetreue Fotografie, die es ihm erlaubte, unterschiedliche gesellschaftliche Schichten des frühen zwanzigsten Jahrhunderts in Deutschland herauszuarbeiten und zu kontextualisieren. Ihm gelang es dabei, die seelische Verfasstheit einer Zeit zum Ausdruck zu bringen, indem er auf unsentimentale Weise eine im Wandel begriffene Gesellschaft einfing.

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August Sander, Antlitz der Zeit, 1910–29

Seydou Keïta porträtierte während der 1950er Jahre vorwiegend die urbane Mittelschicht Bamakos kurz vor der Unabhängigkeit Malis von Frankreich, einer Zeit, in der dramatische gesellschaftliche Veränderungen auf politischer, demographischer und familiärer Ebene stattfanden. Sowohl Sander als auch Keïta beschreiben aus der Sicht zweier unterschiedlicher Kulturen entscheidende Phasen des gesellschaftlichen Wandels in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und reflektieren die Rolle des Individuums innerhalb dieser historischen Prozesse sowohl in Deutschland als auch in Mali.

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Seydou Keïta, Untitled Portraits, 1949–60

In den letzten Jahrzehnten nutzten Fotografen das Format des Studioporträts oder der typologischen Struktur wiederholt als Ausgangspunkt für anspruchsvolle kritische Untersuchungen und um bestimmte soziale oder historische Milieus zu erfassen: Richard Avedons 69-teilige Serie The Family zeigt das politische Establishments der USA vor der Präsidentschaftswahl im Jahr 1976, während Accra Shepp in einer umfangreichen Porträtreihe eine Chronik der Occupy Wall Street-Proteste zwischen 2011 und 2012 erschafft.

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Accra Shepp, Occupying Wall Street, 2011–12

Auch andere Arbeiten eignen sich die Strategie der seriellen Anordnung nicht etwa an, um die normativen Rollenvorstellungen bestimmter Gesellschaften zu wiederholen, sondern um eben diese infrage zu stellen – beispielsweise Zanele Muholis Porträts schwarzer Queers und Transgender in Südafrika, Samuel Fossos Reinszenierungen von Ikonen der panafrikanischen Befreiungs- und afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung, Guy Tillims Bilder von Kindersoldaten in der Demokratischen Republik Kongo oder Hiroh Kikais Taxonomie von Bewohnern des Tokioter Stadtteils Asakusa. Diese Serien regen zum Nachdenken über die zugrundeliegenden gesellschaftlichen Ordnungsstrukturen an und decken ein breites Spektrum vorherrschender und unterrepräsentierter Rollen und flexibler Identitäten auf.

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Zanele Muholi, Faces and Phases, 2006–ongoing

Die Ausstellung hinterfragt die Idee eines stabilen, authentischen Ichs, indem sie Werke von Künstlern und Modellen zeigt, deren Fotografien gängige Erwartungshaltungen unterwandern und tradierte Muster von Identitätszuschreibung herausfordern. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Frage, wie Fotografen das Format der Serie – eine Präsentationsstrategie, in der das Einzelbild an Bedeutung verliert und nur in Bezug zu den anderen Bildern der Serie an Relevanz gewinnt – einsetzen, um jene politischen und kulturellen Faktoren zu erforschen, die individuelle und kollektive Subjektivität prägen.

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Adolfo Patiño, La Tierra Prohíbida de Terry Holiday, 1979

Structures of Identity beleuchtet, wie soziale und individuelle Identität in der Fotografie betrachtet und dargestellt werden und verdeutlicht die kontinuierlichen Bemühungen von The Walther Collection, die Geschichte des Mediums jenseits konventioneller kultureller, geografischer und zeitlicher Grenzen zu diskutieren und zu betrachten.

Standort & Öffnungszeiten

Fundación Foto Colectania
C/ Passeig Picasso, 14
08003 Barcelona
Spanien
+34 93 217 16 26
www.fotocolectania.org

Dienstag bis Samstag, 11-20 Uhr

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