Hazoumè, Romuald

Biographie

Benin, geb. 1962; lebt und arbeitet in Porto-Novo, Benin

Details

Die Arbeiten von Romuald Hazoumè stellen eine ausgedehnte Meditation über das komplexe Geflecht von Abhängigkeitsverhältnissen dar, das seine Heimat Benin seit der Vergangenheit und bis in die Gegenwart mit den Netzwerken des globalen Marktes verbindet. Hazoumè wurde zuerst bekannt durch eine Serie skulpturaler Arbeiten mit dem Titel "Masques Bidons" (Benzinkanister-Masken) (1987). Sie verweisen formal auf die rituellen afrikanischen Masken, die die europäischen Avantgarden des 20. Jahrhunderts stark beeinflusst haben, werden aber hergestellt aus den allgegenwärtigen Plastikkanistern, die in Benin gebraucht werden, um von Trinkwasser bis hin zu nigerianischem Schwarzmarktbenzin alles zu transportieren. Als Objekte mit "verbrauchten Schicksalen", wie der Künstler es nennt, sind diese verbeulten und verkratzten Behälter am Ende einer langen Wertstoffkette angelangt. Man empfindet eine wehmütige Freude über die Prominenz dieser armseligen Diener auf den Straßen und Gehwegen Benins, die woanders – immer bloß Träger, niemals ordentliche Ware – in ihrer Nützlichkeit unsichtbar werden. 

In den 1990er Jahren begann Hazoumè, in Mixed-Media-Installationen seine Kanistermasken dokumentarischen Fotografien gegenüberzustellen. Die Verschiebung vom Kanister zur Maske, vom Unbelebten zum Menschlichen wird hier um fotografische Szenen erweitert. Es handelt sich dabei zumeist um Rückansichten von Menschen, die bergeweise Kanister auf Fahrrädern oder Motorrädern transportieren. Ihre Körper sind vollständig verdeckt, stehen ganz im Dienst dieser überhängenden, wulstig-geschwürartigen Kanisterkompositionen, die sie waghalsig auf den Rücken geschnallt tragen. Benin mag einst als das märchenhafte Königreich Dahomey bekannt gewesen sein, das dominierende und immer wiederkehrende Thema, das bis in die Gegenwart Benins nachwirkt, ist jedoch die Geschichte des transatlantischen Sklavenhandels. Hazoumès gefeierte Installation La Bouche du Roi (Der Mund des Königs) (1997) arrangiert mehr als dreihundert Masken analog zu einem Holzschnitt des britischen Sklavenschiffs R R Brooks von 1789. Jeder Maskenkanister steht hier für einen transportierten Sklaven. Eine andere Arbeit Hazoumès behandelt das gleiche historische Thema etwas indirekter: Market Forces (Better to Sell Meat than Men!) [Die Gesetze des Marktes (Besser Fleisch verkaufen als Menschen!)] ist eine großformatige Aussicht über einen verschlafenen Ziegenmarkt. Das Panoramafoto ist Teil einer Serie, die den heutigen Zustand einstiger Sklavenmärkte dokumentiert. Die Szenerie verweigert sich pastoralen Klischees und verweist unausweichlich auf die Sklaverei mit ihren Verbindungen zur Wirtschaft und die Bezüge zwischen den Wirtschaftsformen gestern und heute.

Werke von Hazoumè, Romuald

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