Mandémory, Boubacar Touré

Biographie

Senegal, geb. 1956; lebt und arbeitet in Dakar, Senegal

Details

Boubacar Touré Mandémory ist ein unermüdlicher Bildersammler, ein urbaner Jäger, immer auf der Suche nach flüchtigen Blicken auf den Alltag: junge Menschen am Strand, Straßenhändler, herumalbernde Kinder. Er streift durch Dakar, eine billige Kompaktkamera in der Tasche, und fängt das Leben auf den Straßen seiner Stadt mit Schnappschüssen ein, die er improvisiert aus der Hüfte oder auf dem Boden kauernd schießt. Dabei entstehen Bilder mit dem Augenblickscharme eines schnell aufblitzenden Lächelns. Mandémory geht es nicht um Reportage oder das Dokumentarische. Seine Arbeit entwirft ein Lexikon gestohlener Momente, so intim wie fremd. Seine Vorgehensweise ist eher poetisch als ethnografisch. Schräge Blickwinkel beschwören verzerrte optische Effekte wie in einem Traumzustand, oftmals hervorgehoben durch einen dunklen Farbraum, der den Szenen ein Gefühl für liminale Übergänge verleiht. Innerhalb der Serie "Villes Capitales d'Afrique" (Hauptstädte Afrikas) etwa zeigt Mandémory Bilder, die dominiert sind von weiten tiefblauen Himmeln und übersättigten ölig-opalen Farbtönen nackter Haut, interpunktiert mal durch den Glanz schimmernder, am Körper klebender Kleiderstoffe, mal durch einen flüchtigen Blick, der unerwartet erwidert wird. Was er in seinen Bildern darzustellen suche, erklärt der Künstler, sei nicht die Essenz des Alltagslebens im heutigen Dakar, sondern eher das Dakar seiner Kindheit, eine Erinnerung an Straßen und Stadtviertel, wie sie sich in seinem Kopf verankert haben. Mandémory grenzt seine Arbeit bewusst ab von der Dokumentarfotografie, in der er die Gespenster kolonialer Ethnografie mit ihren unterdrückerischen Fiktionen erkennt. Er identifiziert sich aber auch nicht mit "Dreed" – Wolof für "hastig hergestellt" –, einer Schule der Street-Fotografie, deren Vertreter in Dakar omnipräsent sind. Eher könnte man seine Arbeit als eine Archäologie bezeichnen, die das sanfte Raunen des Fremden wahrnehmbar macht, das unter der Decke des Alltäglichen lauert, um eine traumartige Vergangenheit in der Gegenwart aufzurufen.

Werke von Mandémory, Boubacar Touré

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