Seite an Seite
Santu Mofokeng und David Goldblatt

7. November 2022

Mofokeng goldblatt 02

Wichtige aktuelle Information:

Infolge größerer Baumaßnahmen wird der Museumscampus in Neu-Ulm bis Sommer 2022 geschlossen bleiben. Die Ausstellung Seite an Seite: Santu Mofokeng und David Goldblatt ist bis auf weiteres verschoben.

Über die Ausstellung

Die Walther Collection eröffnet ihre Räume auf dem Museumscampus in Neu-Ulm mit einer dialogischen Ausstellung von Santu Mofokeng (1956-2020) und David Goldblatt (1930-2018), zwei der großen Fotografen Südafrikas. In der Zusammenführung ihrer Werkszyklen eröffnet die von der Kunsthistorikerin Tamar Garb kuratierte Ausstellung eine Neubefragung und Re-Interpretation der Fotografien.

In Goldblatts und Mofokengs Arbeiten werden Alltag und Erfahrung der südafrikanischen Bevölkerung zu Zeiten der Apartheid bis in die Gegenwart abgebildet. Die Ausstellung hinterfragt die hierbei oftmals vorgenommene Unterscheidung zwischen Goldblatts sozialdokumentarischer Fotografie und Mofokengs poetischer Ästhetik und erlaubt damit verfestigte Wahrnehmungsmuster zu durchbrechen. Indem die Werke auf neuartige Weise kombiniert werden, hebt die Ausstellung die Besonderheit jedes Einzelnen hervor und beleuchtet kritisch vermeintliche Gegensätze.

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David Goldblatt, Some Afrikaners: A plot-holder, his wife and their eldest son at lunch, 1962.
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Santu Mofokeng, Moth'osele Maine, Bloemhof, 1994.

Über das Konzept

Die Ausstellung ist in drei thematische Kapitel gegliedert: Landschaften, Bauten und Begegnungen.

Landschaften widmet sich Mofokengs und Goldblatts Landschaftsfotografien und erforscht, wie Topografie durch Kultur beeinflusst wird. Das Erscheinungsbild von Landschaften definiert sich durch die Ereignisse, die in ihnen stattfinden. Beide Fotografen sind fasziniert von diesen Spuren und Rückständen der Vergangenheit, die die Oberfläche des Landes formen. Die Landschaft ist politischen, ökologischen und historischen Kräften unterworfen, deren Geschichten in ihr gleichermaßen offenbart werden und verborgen liegen. So verweisen Goldblatts und Mofokengs Fotografien auf die Zeitlichkeit und den sozialen Raum, die das Land kontinuierlich prägen.

Bauten wendet sich dem südafrikanischen Wohnraum zu, seiner materiellen Beschaffenheit und dem mit ihm verbundenen sozialen Gefüge. In ihren Arbeiten erforschen Goldblatt und Mofokeng, was "Zuhause" definiert. Es wird die Fragilität von diesem Zustand untersucht, die sich auch auf die BewohnerInnen auswirkt. Im Spiegel dieser instabilen Strukturen, die der Willkür der politischen Bürokratie und der Macht ausgesetzt sind, werden die geschützten Wohnräume der „Weißen“ gezeigt. Im Gegensatz zu diesen abgeschotteten Lebensorten fungieren die Straßen, angereichert mit Schildern und Plakattafeln, als Orte sozialer Interaktion. Beide Fotografen untersuchen, wie sich die segregierte Vergangenheit in den Bewegungen der Menschen auswirkt, die den Infrastrukturen von Stadt und Staat unterworfen sind. Dabei entziehen sich Mofokeng und Goldblatt oftmals den offiziellen Masternarrativen und eröffnen neue und unkonventionelle Perspektiven.

Begegnungen erforscht soziale Erfahrungen und konzentriert sich auf die Kontakte und Kontexte, die Menschen miteinander teilen: in intimen Innenräumen, auf dem täglichen Weg zur Arbeit, im Gottesdienst und in stiller Kontemplation. Von der Besonderheit einer gestellten Aufnahme bis hin zu beiläufigen Bewegungen vorbeiziehender Menschen, fangen diese oft im Halblicht oder Schatten entstandenen Fotografien die Fremdheit und Distanz einer Stadt ein, deren Rhythmus durch die Staatsgewalt diktiert wird. Die hier gezeigten Aufnahmen beider Fotografen sind explizit und implizit von diesem Zusammenspiel von Helligkeit und Dunkelheit, Licht und Schatten geprägt.

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David Goldblatt, Bantustans: Going home: 8:45 pm, Marabastad-Waterval bus some of these passengers will reach home at 10:00 pm and start the next day at 2:00 am. 1984, 1984
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Santu Mofokeng, Opening Song, Hand Clapping and Bells, 1986

Über die Künstler

Als Sohn jüdischer Einwanderer*innen wurde David Goldblatt (1930-2018) in der kleinen Bergbaustadt Randfontein, außerhalb von Johannesburg, geboren. Nach seinem Schulabschluss im Jahr 1948 begann er zu fotografieren. Mit dem Tod seines Vaters im Jahr 1962 machte Goldblatt die Fotografie zu seinem Beruf und unterstützte hierdurch finanziell seine Familie. Seine Arbeit erfuhr schnell internationale Aufmerksamkeit, da er mit seiner Kamera und seinem kompositorischen Blick das südafrikanische Leben in all seinen Facetten dokumentierte. Die Verbundenheit zu sowohl seiner Heimat als auch der Fotografie begründete Goldblatts Entscheidung 1989 in Johannesburg den Market Photography Workshop zu etablieren, eine Ausbildungsstätte für angehende Fotograf*innen.

1998 war er der erste Südafrikaner, der eine Einzelausstellung im Museum of Modern Art in New York hatte. Es folgten zahlreiche Ausstellungen u.a. im Centre Pompidou, Paris, auf der Documenta 11 & 12 und der 54. Venedig Biennale. Er hat über 20 Bücher veröffentlicht und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Henri Cartier Bresson Award und dem Hasselblad Award.

„Millionen schwarze Farmarbeiter müssen ein schmerzliches Verhältnis zum Land gehabt haben … Das Land bildete ihren Horizont, aber es gehört ihnen nicht.“

– David Goldblatt

Seine Bilder dokumentieren das Leben während und nach der Apartheid, verweigern sich dabei jedoch offensichtlicher Brutalität. Stattdessen richtet Goldblatt den Blick auf die Komplexität des Alltäglichen, in der die Gewalt der Segregation und das Leiden der Schwarzen Zivilbevölkerung stets präsent sind. Seine feinfühlig aufgenommenen Fotografien legen die Strukturen offen, die zu den Ungerechtigkeiten geführt haben. Gleichzeitig dokumentieren sie deren Auswirkungen. Goldblatts Arbeit kann als Zeugnis seiner Verbundenheit zum Land und den Leuten seiner Heimat Südafrika begriffen werden.

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David Goldblatt, Some Afrikaners: The farm Quaggasfontein in the Great Karoo on a summer afternoon. About 250 years ago, after 13 years of work, two slaves are said to have completed the building of this wall which surrounds the farmyard, near Graaff-Reinet. Dec 1966, 1966
Santu Mofokeng, Farm in Modderpoort, 2005 (rechts) // Katse Dam, Lesotho, 1996 (links)

Santu Mofokeng (1956–2020), geboren in Soweto, Johannesburg, schloss sich in den 1980er Jahren als ehemaliger Schüler David Goldblatts dem berühmten Afrapix-Kollektiv an. Kurz darauf wurde er Dokumentarfotograf für das African Studies Institute der Wits University. Seine simultan nuancierten und ambivalenten Darstellungen des Lebens in südafrikanischen Townships machten ihm schließlich auch als unabhängiger Fotograf einen Namen. 1991 gewann er das Ernest Cole Scholarship und studierte am International Center of Photography in New York City. Ebenso wie Goldblatt, war Mofokeng Teil der Dokumenta 11 und vertrat Deutschland 2013 auf der 55. Venedig-Biennale im französischen Pavillon.

„Die Schönheit der südafrikanischen Landschaft hat eine zugleich groteske, heitere und fantastische Geschichte. Sie ist verpackt in biblische Mythologie, die von ein paar afrikanischen Mystizismen überlagert wird.“

- Santu Mofokeng

Mofokengs fotografisches Werk bricht mit Stereotypen südafrikanischen Lebens und setzt sich von traditioneller Dokumentarfotografie ab indem er mit verschiedenen Techniken experimentiert. So sind manche Bilder durch Nebel oder Rauch diaphan, andere durch die Bewegung des Fotografen oder des Motivs unscharf. Entgegen der Idee, dass Fotografie nur das wiedergibt, was sichtbar ist, fokussiert Mofokeng vielmehr das Poetische, Transzendente und Unsichtbare. In diesem indirekten Ansatz, der hinter das Offensichtliche zu blicken vermag, verweisen seine Bilder von urbanen Township-Landschaften, spirituellen Begegnungsorten und überfüllten Straßenszenen auf den Alltag innerhalb eines historisch gewachsenen Rassismus, der das Dasein stets bestimmt.

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Santu Mofokeng, Buddhist Retreat, near Pietermaritzburg, 2003
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Santu Mofokeng, Easter Sunday Church Service, 1996
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Santu Mofokeng, Prayer Service at the Altar on the Easter Weekend at Motouleng Cave – Free State, 2006
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David Goldblatt, Nederduitse Gereformeerde Kerk, inaugurated 31 July 1966, Op-die-Berg, Cape. 23 May 1987, 1987
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David Goldblatt, Children at the border between Pageview (Fietas) and Mayfair, Johannesburg. April 1952, 1952
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David Goldblatt, Migrant mineworkers who had served their contracts on the gold mines and were waiting for a train to take them part-way to their homes in Nyassaland (Malawi), Mayfair railway station, Johannesburg. December 1952, 1952

Die Arbeiten von Santu Mofokeng und David Goldblatt sind zentraler Bestandteil der Walther Collection, die zu den weltweit größten Sammlungen afrikanischer Fotografie zählt. Ihre Werkzyklen werden in zahlreichen Ausstellungen der Collection in Neu-Ulm und New York City sowie in weltweiten Wanderausstellungen präsentiert.

Wichtige Information

Aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie und der hiermit verbundenen Sicherheits- und Hygienebestimmungen, kann ein konkretes Eröffnungsdatum sowie die Laufzeit der Ausstellung noch nicht bekannt gegeben werden. Wir werden dies so bald wie möglich nachholen und bitten Sie für jegliche hierdurch verursachte Unannehmlichkeiten um Entschuldigung.

Ausgestellte Werke

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