Day After Day
RongRong and the Beijing East Village

13.6.2019 - 12.10.2019

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The Walther Collection und das Three Shadows Photography Art Center in Peking präsentieren Day after Day: RongRong and the Beijing East Village. Die gemeinsam organisierte Ausstellung zeigt 40 von RongRongs ausdruckstarken Fotografien, die zwischen 1993 und 1998 entstanden sind. In dieser Zeit war RongRong Mitglied des Beijing East Village Künstlerkollektivs – eine Gruppe, die Silvia Fok als "Meteor in der Geschichte der zeitgenössischen chinesischen Kunst" bezeichnet. Day after Day fällt zeitlich mit der für Sommer 2019 geplanten Veröffentlichung von RongRong’s Diary zusammen, einer Künstlermonographie, die vom Steidl Verlag und The Walther Collection herausgegeben wird.

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RongRong, 1994 No. 1, 1994

Fast vier Jahre nach der gewaltsamen Niederschlagung pro-demokratischer Studentenproteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking im Jahr 1989 schloss sich RongRong, ein damals 25-jähriger Mann aus der südlichen Provinz Fujian, einer Gruppe junger Künstler an, die sich in einem heruntergekommenen Viertel am östlichen Stadtrand von Peking niederließen. RongRong hielt das alltägliche, aber dennoch ereignisreiche Leben dieser Gemeinschaft fest und dokumentierte, wie seine Künstlerkollegen ihre Körper an die Grenzen der Belastbarkeit brachten, um radikale und subversive Performances zu kreieren. Diese Künstler, die von der chinesischen Staatsführung als äußerst störende Einflüsse eingestuft wurden, lebten in ständiger Angst vor Belästigung, Übergriffen und Verhaftungen. Sowohl als Fotograf als auch als unverzichtbarer Mitarbeiter in der Planung und Ausführung half RongRong dabei, einige der wichtigsten Performances der zeitgenössischen chinesischen Kunst von Künstler wie Zhang Huan, Ma Liuming und Ai Weiwei sichtbar zu machen und für die Nachwelt zu bewahren.

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RongRong, 1994 No. 46 (Ma Liuming, "Fen-Ma Liuming's Lunch"), 1994
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RongRong, 1994 No. 70 (Cang Xin, "Tramping on Faces"), 1994

Die Ausstellung Day After Day zeigt die künstlerischen Aktivitäten des East Village Kollektivs, bevor und nachdem seine Mitglieder im Sommer 1994 zwangsweise aus dem gleichnamigen Stadtviertel umgesiedelt wurden. Während seiner Zeit dort führte RongRong Tagebuch – Auszüge daraus sowie persönliche Erinnerungen ergänzen seine emotionalen Fotografien und machen nachvollziehbar, wie die Performances konzipiert wurden. Die Texte verdeutlichen die schwierigen Bedingungen, unter denen sie aufgeführt wurden, wie zum Beispiel die extreme Hitze und die schlechte Belüftung der öffentlichen Latrine, welche die Kulisse für Zhang Huans 12 Square Meters stellte. RongRongs Notizen erinnern auch an die Verhaftung von Künstlern und Zuschauern nach Ma Liumings bahnbrechender Nackt-Performance Fen-Ma Liuming's Lunch sowie an die Kälte jenes Abends, an dem die gemeinschaftliche Aktion Primordial Sounds unter einer Pekinger Überführung stattfand.

In enger Zusammenarbeit von The Walther Collection und RongRong entstand RongRong’s Diary: Beijing East Village, eine Künstlermonographie, die eine nahezu vollständige Sammlung der privaten Notizen des Künstlers aus jener Zeit enthält. In kurzen Tagebucheinträgen und dem persönlichen Briefwechsel mit seiner Schwester erzählt RongRong von seinen intensiven Freundschaften zu anderen Künstlern, unvergesslichen Ausflügen und Zwischenfällen sowie ihrer Guerilla-Taktik bei der Inszenierung neuer Werke. Dabei formuliert er sowohl banale als auch tiefsinnige Gedanken über die Anpassung an sein neues Leben in Peking, seine tiefe Besorgnis über die Gegenreaktion der Polizei und sein schwankendes Vertrauen in das, was Fotografie in politisch turbulenten Zeiten leisten kann. Das Zusammenspiel von RongRongs Bildern und Texten erzählt anschaulich die packende persönliche Geschichte eines Künstlers, der unbeirrt seinen Weg geht und zu einer genuinen Bildsprache findet.

"Aber hier im East Village machen wir fast alles. Curse spielt Rockmusik und schreibt Gedichte. Kongbu kuratiert und schreibt Kritik. Zhang Huan, Ma Liuming und Zhu Ming performen... Aber ich bin der einzige Fotograf. Alle haben ihre Heimatstadt verlassen und gehen hier ihren Träumen nach. Wir sind alle Kinder, die ihr Zuhause verlassen haben, was uns ständig hungrig macht..."

– RongRong

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RongRong, Self-portrait, 1994

Künstlerbiografie

RongRong wurde 1968 in der chinesischen Provinz Fujian geboren. In den frühen 1990er Jahren gehörte er zu den zentralen Akteuren des Beijing East Village Kollektivs, experimentierte mit Fotografie und dokumentierte die Performances seiner Künstlerkollegen. Diese Werke haben in der Geschichte der zeitgenössischen chinesischen Kunst einen fast mythischen Status erlangt. 2007 gründete RongRong zusammen mit seiner Frau und fotografischen Partnerin inri in Peking das Three Shadows Photography Art Center, das auf internationale Kooperationen und die Schaffung einer nachhaltigen Infrastruktur für junge chinesische Künstler zielt. Zu den bekanntesten Werken von RongRong zählen die Serien "East Village" und "Ruins" aus den 1990er Jahren sowie seine Zusammenarbeit mit inri seit 2000, die Arbeiten wie "In Fujisan", "Liulitun" und "Tsumari Story" hervorbrachte. In ihrer gemeinsamen Arbeit erforschen sie die Schönheit des menschlichen Körpers in der Natur und in der städtischen Umwelt sowie die Entwicklung ihrer Familie. Seine Arbeiten wurden in den letzten drei Jahrzehnten weltweit ausgestellt und befinden sich in den Sammlungen des Museum of Modern Art in New York, des J. Paul Getty Museum, Los Angeles, der Myriam and Guy Ullens Foundation, Peking, des Mori Art Museum, Tokio, und mehreren angesehenen privaten Stiftungen.

Ausgestellte Werke

    Pressestimmen

    The New York Times' "What To See Right Now" - Review by Jason Farago

    "A 25-year-old photographer named RongRong was among them, and 40-odd black-and-white prints here document the low-rent fecundity of Beijing’s East Village, named in tribute to New York’s own beggared art quarter. RongRong witnessed Mr. Zhang’s fabled, revolting performance “12 Square Meters,” for which the artist slathered his naked body in honey and fish sauce, then let flies gorge on his flesh in a noxious public latrine. He photographed Mr. Zhang’s nude body and shaved head, gleaming with sweat, angst and total dedication — and then wrote to his sister, 'It felt like the end of life.'"

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    Publikationen

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