17. September 2018, gepostet von Daniela Baumann

Occupying Wall Street

Heute jährt sich der Beginn der Occupy Wall Street-Proteste zum achten Mal. Inspiriert vom Arabischen Frühling und den Demonstrationen auf dem Kairoer Tahrir-Platz, fragte sich Kalle Lasn, Chefredakteur der Zeitschift und Non-Profit-Organisation Adbusters, inwieweit sich Druck auf den nordamerikanischen Wirtschaftssektor ausüben lässt. Knapp drei Jahre nach Ausbruch der internationalen Banken- und Finanzkrise rief Adbusters zur Besetzung der wichtigsten Börse der Welt auf: "#OCCUPYWALLSTREET. Seid ihr bereit für einen Tahrir-Moment? Strömt am 17. September [2011] nach Lower Manhattan, baut Zelte, Küchen, friedliche Barrikaden und besetzt die Wall Street".

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Daraufhin besetzten tausende Demonstranten den Zuccotti Park in New York. Occupy Wall Street entwickelte sich in wenigen Wochen zur größten Protestbewegung Nordamerikas – auch in anderen US-Städten wie Washington D.C., Bloomington, Boston, Atlanta, San Francisco oder Philadelphia demonstrierten Tausende für eine stärkere Kontrolle des Finanzsektors, eine Anpassung des als ungerecht empfundenen Steuersystems sowie die Reduzierung der sozialen Ungleichheit zwischen arm und reich. Der während der Proteste allgegenwärtige Slogan “Wir sind die 99 Prozent!” bezieht sich auf einen Aufsatz des Ökonomie-Nobelpreisträgers Joseph Stieglitz in der Zeitschrift Vanity Fair, in dem er schrieb, dass die ökonomische und politische Macht bei nur einem Prozent der Bevölkerung liege. Die Kluft zwischen diesem einen und den anderen 99 Prozent wurde zum Symbol der gesellschaftlichen Spaltung und zur zentralen Prämisse von Occupy Wall Street.

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Journalisten und Politiker kritisierten häufig, dass die Bewegung keine klaren Ziele verfolgte. Um dieser Berichterstattung etwas entgegenzusetzen, porträtierte Accra Shepp die Demonstranten und verlieh dem Protest ein Gesicht. Mit einer Großformatkamera fotografierte er jede Woche zwanzig bis dreißig Bilder von Demonstranten, Polizisten, Nachrichtenreportern und Schaulustigen. Die dabei entstandene Serie "Occupying Wall Street" zeigt einen Querschnitt der amerikanischen Gesellschaft: Junge Menschen stehen neben Rentnern, Afroamerikaner neben Weißen und Latinos. Ihre Kleidung ist in vielen Fällen leger oder ausgefallen, manche tragen aber auch Kostüm oder Anzug. Seine Porträts präsentierte Shepp zeitgleich in einer Ausstellung in New York, die er fortlaufend durch neue Aufnahmen erweiterte.

31. August 2018, gepostet von Daniela Baumann

Neuankauf: Zwei Kinder hören Wilhelm Buschs "Max und Moritz"

Wer kennt sie nicht, die haarsträubenden Streiche von Max und Moritz? Die Bildergeschichte von Wilhelm Busch (1832–1908) bringt seit 1865 Generationen zum Lachen und begeistert bis heute sowohl Klein als auch Groß. Obwohl Buschs Frühwerk "Max und Moritz – Eine Bubengeschichte in sieben Streichen" vorwiegend im deutschen Sprachraum bekannt ist, ist es eines der meistverkauften Kinderbücher und wurde bereits in 300 Sprachen und Dialekte übertragen.

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Im Verlauf der Geschichte ärgern die gewitzten Jungen Max und Moritz die Bewohner ihres Dorfes: die Witwe Bolte, den Schneider Böck, den Dorfschullehrer Lämpel, den Onkel Fritz, den Meister Bäcker und den Bauern Mecke. Wie bei vielen nachfolgenden Werken verwendete Busch den Holzstich für den Druck seiner Zeichnungen – die Kombination von Bild und Wort in seinen Bildergeschichten wird häufig als Vorläufer des modernen Comics eingestuft.

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Die erst kürzlich erworbenen 12 Silbergelatineabzüge eines unbekannten Fotografen zeigen zwei junge Mädchen – vermutlich Schwestern, vielleicht sogar Zwillinge –, die aufmerksam den sieben Streichen von Max und Moritz lauschen. Ergänzt werden die Fotografien aus den 1930er Jahren von Textausschnitten der Geschichte. Höchstwahrscheinlich dokumentieren die Aufnahmen die spontanen Reaktionen der Mädchen auf die Verse. Ihre ausdrucksstarke Mimik und Gestik wechselt von herzlichem Lachen zu ungläubigen und fragenden Blicken und erschrockenen Mienen und spiegeln so den Inhalt der Erzählung wider.

28. Juni 2018, gepostet von Daniela Baumann

Neuankauf: Heinz Lieber

Seit den 1920ern durchlief der Berliner Alexanderplatz viele städtebauliche Veränderungen. Nachdem der Platz und umliegende Bauwerke im Zweiten Weltkrieg großflächig zerstört worden waren, begannen in den 1950er Jahren der Wiederaufbau und die Neugestaltung der Innenstadt. Bis heute prägt die Architektur der Nachkriegsmoderne das Stadtbild Berlins nachhaltig.

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Bauingenieur und Fotograf Heinz Lieber dokumentierte zwischen 1968 und 1972 die Umgestaltung des Alexanderplatzes in zahlreichen Aufnahmen. Für gewöhnlich montierte er mehrere Einzelbilder zu einem 360°-Panorama. Einer unserer jüngsten Neuankäufe zeigt − von links nach rechts – das Berolinahaus von Peter Behrens (1929-1932) sowie später entstandene Bauten aus den 1960er Jahren: das Centrum-Warenhaus (1967-70), das Interhotel Stadt Berlin (1967-70; heute Park Inn), das Haus der Elektroindustrie (1967-69), das Haus des Reisens (1969-71) und das Haus der Statistik (1968-70). Ergänzt wird der Rundumblick durch eine zweite Arbeit, die unter anderem das Haus des Lehrers (1961-64) auf der linken Seite und den Fernsehturm (1965-69) zeigt.

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30. Dezember 2017, gepostet von Zum Kuckuck

The New York Times listet „Recent Histories“ als eines der besten Fotobücher 2017

Ende 2017 wählte Teju Cole, Fotokritiker der New York Times, The Walther Collection's Ausstellungskatalog Recent Histories: Contemporary African Photography and Video Art als eines der „Besten Fotobücher“ des Jahres aus.

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Herausgegeben von Daniela Baumann, Joshua Chuang und Oluremi C. Onabanjo, vereint Recent Histories die Perspektiven von 14 zeitgenössischen afrikanischen Künstlerinnen und Künstlern, die sich mit Fragen der Identität und Zugehörigkeit sowie persönlichen Erfahrungen befassen und ein umfangreiches Spektrum sozialer Anliegen, wie Migration oder sozio-politische Wertvorstellungen in Afrika und der afrikanischen Diaspora untersuchen. Indem die Publikation die Plattformen und Infrastrukturen beleuchtet, die die verschiedenen künstlerischen Ansätze verbinden, erlaubt sie eine kritische Reflexion aktueller Kunstpraktiken und deren Kontexte.

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